Beauty-Pillen für die Schönheit

Man sollte täglich eine Beautypille einwerfen, die Problemzonen lösen sich in Luft auf, so die Hersteller der Wundermittel. Außerdem schmecken die Pillen noch nicht mal. Die Produkte nimmt man mit der Nahrung auf, die Nähe zu den Cremetiegeln sowie Serumfläschchen im Badezimmer ist aber nach wie vor vorhanden. Im Business of Fashion, dem US-Online-Magazin der Mode- sowie Beauty-Branche, ist die Zielgruppe der Nahrungsmittelkosmetik beschrieben: Es sind Konsumenten, die Detoxen mit Saft, trinken Kokosnusswasser (das übrigens schmeckt) und verwenden Meditations-Apps. Sie tragen schicke Sportkleidung und nehmen Yoga-, Spinning- oder Box- sowie Pilates-Stunden nehmen. Solche Menschen haben in der Regel Leidensfähigkeit und Ausdauer, ihre Fitness, Gesundheit sowie ihr Aussehen zu verbessern. Man kann ihnen nicht alles andrehen, doch sehr viel.

Der Nutzen der Beauty-Drinks oder -Pulver ist aus medizinischer Sicht umstritten. Einerseits sind die Hersteller keiner Regulierung unterworfen, andererseits ist nicht klar, woher die Inhaltsstoffe kommen und wie hoch die Konzentration ist. Man kennt weder Wechselwirkungen untereinander noch mit Medikamenten. Nichts wir kontrolliert, weil Beauty-Supplements keine Medikamente sind, sondern Nahrungsergänzungsmittel sind. Eine Körpercreme für die Haut wird stärker geprüft.

Die Inhaltsstoffe der Beauty-Pillen

Auf den ersten Blick ist gegen die Inhaltsstoffe nichts einzuwenden. Meist beinhalten die Produkte Kollagen und Hyaluronsäure, zum Teil mit Biotin, Zink und verschiedenen Vitaminen sowie Antioxidantien angereichert. Nur gesundheitsfördernde Vitamine sind nicht für jeden sowie in jeder Menge gesund. Beispielsweise sind Vitamin-E-Pillen Raucher weder vor Tumoren geschützt, noch ist das Lungenkrebsrisiko niedriger.

Daniela Graf, die Ernährungswissenschaftlerin vom Max-Rubner-Institut (Bundesforschungsinstitut für Ernährung sowie Lebensmittel), warnt vor unbedachter Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, egal welches Ziel angestrebt wird: gesunde Ernährung oder schöne Haut. Ein Zuviel der Inhaltsstoffe führe möglicherweise zu negativen Wirkungen, besonders dann, wenn man zur gleichen Zeit Medikamente einnehmen muss. Sie sowieso nichts davon, frische Ernährung durch Pulver sowie Kapseln zu ersetzen. Die Wirkungen von Obst und Gemüse sind in der Regel nicht auf einzelne Inhaltsstoffe zurückführen. Auch nicht auf enthaltene Vitamine und Mineralstoffe. Die Deutschen sind normalerweise gut mit Vitaminen versorgt.

Studien zur Wirksamkeit sind kaum wissenschaftlich fundiert

Der Nutzen des Kollagens ist ohnehin fragwürdig, auch wenn sich viele Verheißungen verhoffen. Wobei gerade diese Zufuhr durch Pillen überzeugend klingt, weil Kollagen auch eine körpereigene Substanz ist. Sie sorgt für Straffheit in der Haut und wird im Alter gebraucht. Bereits vom dem 20. Lebensjahr verringert sich die Kollagen-Produktion im Körper, pro Jahr wird es 1,5 Prozent Kollagen weniger, das zu schlafferer Haut oder schwächerem Bindegewebe sowie Falten führt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass mit der Nahrung aufgenommenes Kollagen den Magen unbeschadet übersteht sowie in Hautzellen ankommt.

Die wissenschaftlichen Studien, auf die auf den Verpackungen verwiesen wird, sind von den Firmen in Auftrag gegeben. Sie werden meist mit zu kleinen Gruppen erstellt oder die Aufgabenstellung führt ohnehin zum gewünschten Ergebnis. Die Aufschrift „Eine regelmäßige Einnahme führt nachweislich zu geringerer Faltentiefe“, mit dem Verweis auf Studien, ist vergleichbar mit einem Preisschild im Basar von Marrakesch.

Die Einbildung und das Gewissen

Nimmt man die Produkte eine Weile ein, gibt es einen anderen Effekt: Man bekommt ein schlechtes Gewissen, sie wegzulassen, es ist eine Chance zur Selbsterfüllung, die man nutzen will. Häufig fragt man bei der Schönheit, wie man sich fühlt mit einem Produkt. Bei einem Placebo gibt es auch nachweisbare Effekte, dass man meint, die Haut zeigt ein gesünderes Strahlen nach ein paar Wochen und, dass die Haare kräftiger sowie die Nägel fester sind.

In den USA verkauft man bereits Bier, Gummibärchen sowie Nescafé mit Kollagen oder Hyaluronsäure. Die semiwissenschaftliche Nische haben die Nahrungsergänzungsmittel verlassen, sie erobern den breiten Markt. Die Bereiche Gesundheit sowie Schönheit verschmelzen zusehends im Selbstverständnis der Konsumenten. Das liest man auch daran ab, dass Umsätze der plastischen Chirurgie sehr langsam steigen, aber für Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und milde Reinigungsprodukte sowie Masken mehr Geld ausgegeben wird.

Schönheit kommt von innen.

Es ist nicht neu, dass man Schönheit essen soll.

Kieselerde und Biotin nahm man bereits vor 20 Jahren ein. Nur kauften besonders ältere Menschen ab 50 die Mittel im Reformhaus, weil der Arzt ihnen geraten hatte, eine einseitige Ernährung zu ergänzen. Derzeit kaufen die sogenannten Millennials die teuren Beauty-Pillen und -Pulver, Menschen sich erst in zehn, zwanzig Jahren verschönern müssten. Der Trend kann natürlich vorübergehen, aber das derzeitige Schönheitsideal verlangt, gesund auszusehen und nicht dekorativ hübsch. Schönheit kommt neuerdings wirklich von innen.

Fazit: Beauty-Pillen können Vor- und Nachteile haben. Jeder sollte sich vor der Einnahme genauestens informieren und keine Wunder erwarten. Über die einzelnen Produkte und Anwendungsmöglichkeiten gibt es online jede Menge Informationen.

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